Aus Wissenschaft und Praxis

Logo rehadatStudien aus der Wissenschaft:

Was motiviert Arbeitgeber, schwerbehinderte Menschen einzustellen? Und was hält sie davon ab? Eine Bremer Studie aus dem Januar 2011 liefert konkrete Ansatzpunkte zur Verbesserung der regionalen Beschäftigungssituation. 

IAW (Hg.): Die Beschäftigung schwerbehinderter Menschen auf dem ersten Arbeitsmarkt. Einstellungsgründe und Einstellungshemmnisse – Akzeptanz der Instrumente zur Integration Ergebnisse einer qualitativen Untersuchung in Unternehmen des Landes Bremen. Bremen (2011) 

Zwei von drei Personalverantwortlichen in Deutschland haben gute oder sehr gute Erfahrungen bei der Beschäftigung behinderter Menschen gemacht. Dies geht aus einer Umfrage der Puls Marktforschung GmbH hervor. Bisher gab es viele Vermutungen zu diesem Thema, aber keine Klarheit. Nun wissen wir es schwarz auf weiß: Die Erfahrungen von Unternehmen bei der Beschäftigung von Arbeitskräften mit Behinderung sind zu 65 Prozent gut oder sehr gut. 

Puls-Marktforschung: Kompensation des Fachkräftemangels durch Arbeitnehmer mit Behinderungen. Ergebnis einer Grundlagenstudie bei Personalverantwortlichen. Schwaig bei Nürnberg(2011)

Im Auftrag der Aktion Mensch ist die Universität Köln in ihrer Pilotstudie „Chancen und Barrieren für hochqualifizierte Menschen mit Behinderung“ der Frage nachgegangen, welche Barrieren dem Übergang ins Erwerbsleben im Wege stehen. Ergebnis: Eine Mischung aus Angst vor Bürokratie seitens der Arbeitgeber, Mangel an positiven Beispielen und Vorurteilen gegenüber Menschen mit Behinderung sind der Grund für die fehlende Inklusion am Arbeitsmarkt. 

"Chancen und Barrieren" - Studie zur Arbeitssituation von Menschen mit Behinderung. Bonn (2013)

 

Berichte aus der Praxis:

Arbeitgeber berichten aus der betrieblichen Praxis, wie es ihnen gelingt, Menschen mit Behinderung erfolgreich zu beschäftigen. Interviews und Berichte sollen Arbeitgebern mit wenig Erfahrung im Rahmen der Beschäftigung von Menschen mit Behinderung zeigen, dass die Teilhabe am Arbeitsleben bei anderen Unternehmen erfolgreich funktioniert – vielleicht auch mit kleinen Hindernissen auf dem Weg dorthin: http://www.rehadat-gutepraxis.de/de/arbeitgeber-berichten/interviews/

Ziel der BDA-Broschüre "INKLUSION UNTERNEHMEN" ist es, Betriebe bei der Schaffung inklusiver Ausbildungs- und Arbeitsbedingungen zu unterstützen und ihnen, u. a. anhand von Praxisbeispielen, Lösungen aufzuzeigen, wie Inklusion im Unternehmen gelingen kann. Die Broschüre enthält Handlungsempfehlungen, eine Übersicht der Förderinstrumente sowie zahlreiche Kontaktadressen wichtiger Dienstleister und Behörden. Berlin (2014). Siehe dazu auch: http://www.inklusion-gelingt.de/

Broschüre "Inklusion gewinnt! Gute Unternehmensbeispiel aus dem Berliner Bezirk Tempelhof-Schöneberg." Fünf Unternehmen aus dem Bezirk, die erfolgreich Menschen mit Behinderung als Fach- und Leitungskräfte in ihren Betrieb integriert haben, werden beispielhaft porträtiert. Diese Betriebe zeigen, dass das gesellschaftliche Leitziel »Inklusion« und unternehmerisches Handeln sehr gut zusammenpassen. Berlin (2016)

 

Von Highlights und Herausforderungen

Blick vom Podium auf die ZuhörendenÜber Highlights und Herausforderungen bei dem Versuch, Arbeitgeber für die Beschäftigung behinderter Mitarbeiter*innen zu motivieren, informierte Dr. Sigrid Arnade auf einem Fachtag zum inklusiven Arbeitsmarkt in Potsdam. Dort stellte sie Mitte November das Projekt „BIRLIKTE – gemeinsam für Inklusion in der Arbeitswelt“ vor. „Wir haben viel Unterstützung durch Arbeitgeberverbände erfahren, in denen schwerpunktmäßig Arbeitgeber*innen mit türkischen Wurzeln organisiert sind“, betonte Arnade.

Positiv hob die Leiterin des von der Aktion Mensch geförderten Projekts außerdem hervor, dass es viele engagierte Menschen in diesem Bereich gebe und das Interesse an der Thematik groß sei. Als schwierig habe es sich allerdings erwiesen, Arbeitgeberverbände dauerhaft zur Zusammenarbeit zu bewegen. Gerade Chef*innen von kleinen und mittleren Unternehmen hätten wenig Zeit und beklagten den hohen bürokratischen Aufwand, der mit der Beschäftigung behinderter Mitarbeiter*innen verbunden sei. „Wenn die Betroffenen ihre Förderungen quasi im Rucksack mitbrächten, würden die Arbeitgeber*innen entlastet“, formulierte Arnade einen Lösungsvorschlag.

Abschließend appellierte Arnade an die Teilnehmenden, sich nicht entmutigen zu lassen und regionale Netzwerke zu etablieren. Ein guter Ansatz dafür sei etwa das gerade entstehende „Netzwerk Arbeit inklusiv“ des AWO-Bezirksverbandes Potsdam. 

Foto: rotschwarzdesign